Kinder unterwegs beschäftigen: Ideen ohne Bildschirm

«Sind wir bald da?»

Eine Frage, die auf Reisen mit Kindern erstaunlich früh auftauchen kann. Im Zug ungefähr fünf Minuten nach der Abfahrt. Im Auto gerne kurz nachdem man auf die Autobahn gefahren ist.

Unterwegs sein ist für Kinder aufregend. Warten meistens weniger.

Natürlich kann ein Bildschirm in solchen Momenten ziemlich praktisch sein. Trotzdem ist es schön, ein paar andere Ideen in der Tasche zu haben. Beschäftigungen, die wenig Platz brauchen, schnell hervorgeholt sind und im besten Fall sogar der ganzen Familie Spass machen.

Wir haben deshalb unsere liebsten Ideen gesammelt, um Kinder unterwegs zu beschäftigen – ganz ohne Bildschirm. Für lange Zugfahrten und Autofahrten, fürs Flugzeug, fürs Restaurant oder einfach für die nächste Wartezeit.

Und keine Sorge: Dafür musst Du nicht den halben Bastelschrank einpacken.

Kinder unterwegs beschäftigen: Weniger ist oft mehr

Wer mit Kindern verreist, könnte problemlos einen eigenen Koffer nur mit Beschäftigungsmaterial füllen.

Malbücher. Spiele. Bücher. Sticker. Stifte. Rätsel. Bastelsachen.

Braucht es alles nicht.

Gerade unterwegs funktionieren häufig Dinge am besten, die Kinder bereits kennen und mögen. Ein Lieblingsbuch, ein kleines Spiel und etwas zum Malen können völlig ausreichen.

Praktisch sind Beschäftigungen, die:

  • wenig Platz brauchen

  • keine unzähligen Einzelteile haben

  • schnell begonnen und wieder weggeräumt sind

  • zur Situation und zum Alter des Kindes passen

  • mehr als einmal verwendet werden können

Und manchmal braucht es überhaupt nichts zum Mitnehmen. Ein Suchspiel aus dem Fenster funktioniert schliesslich ganz ohne Gepäck.

1. Pixibücher: Kleine Geschichten für unterwegs

Pixibücher scheinen für Reisen beinahe erfunden worden zu sein.

Sie sind klein, leicht und eine Geschichte dauert nicht ewig. Damit passen sie wunderbar in Zug, Flugzeug, Restaurant oder Wartezimmer.

Bei kleineren Kindern könnt Ihr die Bücher gemeinsam anschauen und vorlesen. Grössere Kinder entdecken vielleicht bereits selbst die Bilder oder erzählen die Geschichte anhand der Illustrationen.

Besonders praktisch: Du kannst vor einer Reise ein paar Lieblingsbücher einpacken und ein oder zwei Geschichten dazulegen, die das Kind noch nicht kennt.

So gibt es unterwegs etwas Neues zu entdecken.

Wohin mit all den kleinen Büchern?

Der einzige Haken an Pixibüchern?

Sie verteilen sich mit erstaunlicher Zuverlässigkeit in Taschen, Rucksäcken und unter Autositzen.

In einer Minibux lassen sich mehrere Pixibücher gemeinsam aufbewahren und mitnehmen. Die kleine Bibliothek wird mit dem Namen des Kindes personalisiert und in Bern von Hand gefertigt.

Vor der Reise kann das Kind selbst auswählen, welche Geschichten mitdürfen.

Und diese Entscheidung sollte man nicht unterschätzen.

Schliesslich kann unmöglich jedes Buch mit in die Ferien.

Oder?

2. Hörgeschichten: Einfach einmal zuhören

Nicht jede Beschäftigung muss etwas für die Hände sein.

Hörspiele und Hörgeschichten eignen sich besonders für längere Autofahrten. Kopfhörer auf, Geschichte an und für eine Weile in eine andere Welt verschwinden.

Noch schöner kann es sein, gemeinsam eine Geschichte zu hören. Dann haben nachher alle etwas, worüber sie sprechen können.

Für jüngere Kinder funktionieren bekannte Geschichten oder Lieder häufig besonders gut. Grössere Kinder können bereits längeren Hörspielen folgen.

Und falls eine Geschichte zum fünften Mal gehört werden soll?

Kinder haben bekanntlich ein etwas anderes Verständnis von Wiederholung als Erwachsene.

3. Dobble: Ein kleines Spiel für schnelle Runden

Gesellschaftsspiele und Reisen passen nicht immer besonders gut zusammen.

Ein grosser Spielplan, Würfel und zwölf Spielfiguren sind im Zug eher eine Einladung dazu, mindestens ein Teil unter dem Sitz des Vordermanns zu verlieren.

Dobble macht es einfacher.

Die Karten brauchen wenig Platz, die Regeln sind schnell erklärt und eine Runde dauert nicht lange. Auf jeweils zwei Karten muss das Symbol gefunden werden, das auf beiden vorkommt.

Wer es zuerst sieht, ruft es.

Das funktioniert mit Kindern wunderbar.

Mit Erwachsenen übrigens nicht zwingend besser.

Für jüngere Kinder gibt es vereinfachte Dobble-Varianten, während das klassische Dobble für etwas grössere Kinder geeignet ist.

Wer noch mehr Gesellschaftsspiele für Kinder sucht, findet in unserem separaten Beitrag weitere Favoriten für Kinder von etwa 3 bis 8 Jahren.

4. Turtle Tactics: Knobeln in der Metalldose

Für grössere Kinder gehört Turtle Tactics von SmartGames zu unseren liebsten Kinderspielen für unterwegs.

Das Logikspiel steckt in einer kleinen Metalldose, die gleichzeitig als Spielfeld dient. Mit Schildkröten, einem Hasen und verschiedenen Hindernissen werden insgesamt 48 Aufgaben gelöst, die zunehmend schwieriger werden.

Das Spiel ist eigentlich für eine Person gedacht. Perfekt also, wenn Mama oder Papa gerade selbst einmal aus dem Zugfenster schauen möchten.

Natürlich kann auch gemeinsam geknobelt werden.

Turtle Tactics wird ab sechs Jahren empfohlen und ist besonders praktisch für Reisen, weil alles kompakt verstaut ist und keine grosse Spielfläche benötigt wird.

5. Ich sehe was, was Du nicht siehst

Kein Material.

Kein Einpacken.

Keine Vorbereitung.

«Ich sehe was, was Du nicht siehst» dürfte eines der unkompliziertesten Reisespiele überhaupt sein.

Im Zug, Restaurant, Flughafen oder Wartezimmer sucht eine Person einen Gegenstand aus und nennt dessen Farbe. Alle anderen versuchen herauszufinden, welcher Gegenstand gemeint ist.

Bei jüngeren Kindern kann die Auswahl noch offensichtlich sein. Mit grösseren Kindern wird es zunehmend raffinierter.

Und irgendwann suchst Du vermutlich seit fünf Minuten nach etwas Grünem, während Dein Kind sich köstlich amüsiert.

6. Reise-Bingo: Wer entdeckt es zuerst?

Ein rotes Auto.

Eine Kuh.

Einen Tunnel.

Einen Lastwagen.

Eine Kirche.

Beim Reise-Bingo für Kinder wird die Umgebung selbst zum Spiel.

Vor der Fahrt stellst Du eine kleine Liste mit Dingen zusammen, die unterwegs entdeckt werden könnten. Für kleinere Kinder eignen sich Bilder statt Wörter.

Wer etwas sieht, darf es abhaken.

Ihr könnt gegeneinander spielen oder gemeinsam versuchen, bis zum Ziel alles auf der Liste zu entdecken.

Besonders schön: Das Bingo lässt sich an die Reise anpassen.

Für eine Zugfahrt sehen die Suchobjekte anders aus als für die Autofahrt ans Meer. Und auf dem Weg in die Berge darf natürlich die erste Seilbahn auf die Liste.

7. Geschichten gemeinsam erfinden

Dieses Spiel braucht ebenfalls überhaupt kein Material.

Eine Person beginnt:

«Es war einmal ein kleiner Fuchs, der unbedingt mit dem Zug ans Meer fahren wollte ...»

Die nächste Person ergänzt einen Satz. Dann geht die Geschichte weiter.

Bei kleineren Kindern darf die Geschichte herrlich unsinnig werden. Eigentlich sogar besonders gern.

Plötzlich fährt der Fuchs nämlich nicht mehr ans Meer, sondern mit einem Dinosaurier zum Mond, wo beide einen Glacestand eröffnen.

Je mehr Personen mitmachen, desto weniger lässt sich vorhersagen, wo die Geschichte endet.

Das macht das Spiel auch für Eltern ziemlich unterhaltsam.

8. Malen, ohne das halbe Bastelzimmer mitzunehmen

Malen ist unterwegs ein Klassiker.

Allerdings würde ich das Reise-Malset bewusst klein halten.

Ein kleines Notiz- oder Malbuch und ein paar Stifte reichen. Praktisch sind Stifte, die nicht rollen oder deren Deckel nicht ständig gesucht werden müssen.

Für kleinere Kinder können auch wiederverwendbare Mal- oder Zeichentafeln spannend sein.

Grössere Kinder bekommen einen kleinen Auftrag:

Zeichne etwas, das Du heute unterwegs gesehen hast.

Erfinde ein Tier, das es noch nicht gibt.

Male unser Reiseziel.

Oder: Zeichne Mama oder Papa, ohne auf das Blatt zu schauen.

Letzteres liefert vielleicht nicht das schönste Ferienbild.

Aber ziemlich sicher eines der lustigsten.

9. Sticker für lange Reisen

Sticker haben bei vielen Kindern eine erstaunliche Anziehungskraft.

Für unterwegs eignen sich besonders wiederverwendbare Stickerbücher. Kinder können Szenen gestalten, Figuren verschieben und immer wieder neu beginnen.

Der Vorteil gegenüber klassischem Bastelmaterial liegt auf der Hand: kein Kleber, keine Schere und keine Papierfetzen auf dem Zugboden.

Bei kleineren Kindern können Sticker ausserdem schon eine ganze Weile beschäftigen.

Man muss nur damit leben können, dass möglicherweise trotzdem irgendwann einer auf Papas Pullover klebt.

10. Wer findet zuerst ...?

Noch ein Spiel, für das nichts eingepackt werden muss.

Eine Person gibt einen Suchauftrag:

Wer findet zuerst etwas Rundes?

Etwas Blaues.

Eine Zahl.

Einen Hund.

Etwas, das mit B beginnt.

Bei kleineren Kindern bleiben die Aufgaben einfach. Grössere Kinder können schwierigere Kategorien bekommen.

Das Spiel funktioniert im Zug, am Flughafen, im Restaurant oder bei einem Spaziergang durch eine fremde Stadt.

Und es hat einen angenehmen Nebeneffekt: Plötzlich wird die Umgebung interessanter als die Frage, wann Ihr endlich da seid.

11. Kleine Überraschungen einpacken

Bei einer wirklich langen Reise kann es helfen, nicht alle Beschäftigungen sofort herauszugeben.

Packe ein oder zwei kleine Überraschungen für unterwegs ein und hole sie erst hervor, wenn die erste Reisebegeisterung langsam nachlässt.

Das muss nichts Grosses sein.

Ein neues Pixibuch. Ein kleines Rätselheft. Sticker. Ein Kartenspiel. Ein neuer Stift.

Gerade weil das Kind die Sache noch nicht kennt, bekommt sie unterwegs zusätzliche Aufmerksamkeit.

Bei mehreren Kindern kannst Du für jedes eine eigene kleine Reisetüte zusammenstellen.

12. Das Kind zum Reiseprofi machen

Kinder möchten gerne wissen, was passiert.

Gerade längere Reisen werden deshalb interessanter, wenn sie nicht einfach nur von A nach B transportiert werden.

Zeige Deinem Kind auf einer Karte, wohin Ihr fahrt. Erzähle, wie oft Ihr noch umsteigen müsst. Lasst grössere Kinder den nächsten Bahnhof suchen oder gemeinsam herausfinden, von welchem Gleis der Zug fährt.

Im Auto könnt Ihr Zwischenziele festlegen:

Nach dem grossen Tunnel machen wir Pause.

Nach der Grenze gibt es den nächsten Snack.

Wenn wir den See sehen, sind wir fast da.

So wird aus dem Warten ein Teil der Reise.

Kinder im Auto beschäftigen: Was funktioniert gut?

Im Auto gelten etwas andere Regeln als im Zug.

Ein Spiel, bei dem Karten auf einem Tisch ausgelegt werden müssen, ist hier wenig praktisch. Auch Malen oder Lesen vertragen manche Kinder während der Fahrt nicht besonders gut.

Besonders geeignet sind deshalb Beschäftigungen fürs Auto, bei denen Kinder nach draussen schauen oder zuhören können:

Suchspiele, Reise-Bingo, Hörgeschichten, gemeinsam Geschichten erfinden oder Autokennzeichen und Farben suchen.

Für Pausen dürfen dann Bücher, Malzeug oder kleine Spiele aus dem Rucksack kommen.

Und manchmal ist die beste Beschäftigung schlicht ein Snack.

Kinder im Zug beschäftigen: Kleine Spiele sind ideal

Im Zug habt Ihr mehr Möglichkeiten.

Hier können Pixibücher angeschaut, Bilder gemalt oder kleine Gesellschaftsspiele gespielt werden. Auch Turtle Tactics funktioniert am Tisch wunderbar.

Trotzdem gilt: Je weniger Einzelteile, desto entspannter.

Denn irgendein kleines Teil schafft es sonst garantiert genau dorthin, wo niemand mehr hinkommt.

Für längere Zugfahrten kann eine kleine Mischung gut funktionieren: erst aus dem Fenster schauen, später ein Buch, danach ein Spiel und irgendwann eine Hörgeschichte.

Nicht alles muss gleichzeitig auf dem Tisch liegen.

Beschäftigung im Restaurant oder Wartezimmer

Nicht jede Wartezeit dauert mehrere Stunden.

Manchmal sind es nur zwanzig Minuten im Restaurant, beim Arzt oder am Bahnhof.

Gerade dafür lohnt es sich, eine kleine Beschäftigung dauerhaft in der Tasche zu haben.

Ein paar Pixibücher, ein kleines Kartenspiel oder ein Notizbuch mit Stiften brauchen kaum Platz und sind schnell hervorgeholt.

Auch Suchspiele funktionieren gut: Wie viele Lampen findest Du? Wer entdeckt zuerst drei rote Dinge? Was glaubst Du, wofür diese Tür dort ist?

So lässt sich auch eine kurze Wartezeit in ein kleines Spiel verwandeln.

Was gehört in unsere Beschäftigungstasche?

Für einen normalen Ausflug würden wir gar nicht besonders viel einpacken.

Ein paar Pixibücher in der Minibux, ein kleines Spiel, etwas zum Zeichnen und je nach Reise Kopfhörer für eine Hörgeschichte.

Mehr braucht es häufig nicht.

Denn Kinder müssen nicht während jeder Minute beschäftigt werden.

Aus dem Fenster schauen, Menschen beobachten, eine Weile träumen oder sich selbst etwas ausdenken gehört zum Unterwegssein genauso dazu.

Und manchmal passiert dabei etwas ziemlich Schönes:

Die Kinder entdecken selbst ein Spiel.

Ganz ohne Bildschirm.

Und ganz ohne dass wir Erwachsenen es vorher auf eine Packliste geschrieben haben.

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